Shop Mobile More Submit  Join Login
About Deviant JoachimMale/Austria Groups :icondragonage-soulmates: DragonAge-Soulmates
 
Recent Activity
Deviant for 3 Years
Needs Core Membership
Statistics 40 Deviations 748 Comments 2,099 Pageviews
×

Newest Deviations

Favourites

Groups

Activity


Stunden später war die komplette Piratenmanschaft wieder auf der Normandy versammelt und alles setzte Segel, um Noveria zu verlassen. Mittlerweile war es dunkel geworden und allgemeine Müdigkeit und Erschöpfung waren zu spüren. Dementsprechend ruhig war es an Deck, als die Brigg sanft aus dem Hafen glitt.

Die einzige, die noch ununterbrochen arbeitete war Karin Chakwas, die als Schiffsärztin alle Hände voll zu tun hatte, um die verletzten der Schlacht zu versorgen. Leider hatte es auch Tote zu beklagen gegeben. Fünf Mann hatten die Konfrontation mit Cerberus nicht überlebt. Die Rachni hatten versprochen, sie in allen Ehren zu bestatten.

Sam hatte daran ein bisschen zu kauen. Ihr wurde erneut bewusst, wie gefährlich das Piratenleben doch war und wie schnell es vorbei sein konnte. Sie selbst hatte das heute auch zu spüren bekommen. Der Schnitt an ihrer Hüfte hatte auf dem Rückweg zur Normandy erst richtig zu schmerzen zu begonnen. Nach dem Ende des Kampfes und all der Aufregung hatte ihr Körper begonnen, sich zu entspannen und daher nahm sie den Schmerz erst jetzt wahr. Den meisten Kämpfern ging es so, dass sie offene Verletzungen erst wirklich bemerkten, wenn der Kampf bereits vorüber war. In der Hitze des Kampfes war alles Sinnen und Trachten auf das Überleben gerichtet und das Schmerzempfinden dadurch erheblich gedämpft, wie Sam auch gerade feststellen konnte, als Karin ihre Wunde versorgte und ihr das alles dabei erklärte.

Sam biss die Zähne zusammen, denn die Behandlung der Wunde mit Alkohol brannte wie die Feuer der Hölle. Sie atmete immer noch schwer, als Karin ihr einen Verband anlegte und sie ermahnte: „Du hast noch mal Glück gehabt! Es ist nur eine Fleischwunde. Aber du solltest dich, die nächsten Tage schonen! Keine übermäßige Anstrengung und hastige Bewegungen vermeiden! Sonst verheilt der Schnitt nicht ordentlich oder reißt am Ende wieder auf. Alles klar?“
„Verstanden“, antwortete Sam. „Danke, Karin.“

„Schon gut, Kindchen. Dafür bin ich doch da. Pass auf dich auf!“

„Mach ich! Bis dann!“, sagte Sam und erhob sich von der Pritsche, auf der sie lag. Sie zog ihr Hemd wieder und ging zurück an Deck.

Dort herrschte, alles in allem gute Stimmung. Die Crew hatte in Noveria wieder ordentlich Beute gemacht und war dementsprechend zufrieden. Im inneren Kreis überwog vor allem die Zufriedenheit darüber, endlich mehr über Cerberus erfahren zu haben und darüber, dass es ihnen gelungen war, Benezia zu retten.
Gerade als Sam darüber nachdachte und gedankenverloren auf und ab ging, sah sie auf der anderen Seite des Decks Grace und Liara beieinander stehen und eifrig miteinander reden. Liara schien sich wohl tausendmal bei Shepard für die Rettung ihrer Mutter zu bedanken. Das war durchaus verständlich und dennoch...

Ja, dennoch konnte Sam nicht verhindern, dass in ihr so ein unangenehmes, beständig nagendes Gefühl hochkam, welches die junge Piratin selbst überraschte. Was war das nur?

Die Wahrheit war, dass Sam durchaus ahnte, was war, doch sie hatte Angst dafür, es sich einzugestehen. Sie schüttelte den Kopf, um diese Gedanken aus ihrem Kopf zu vertreiben. Als sie ihren Blick wieder nach vorne richtete, sah sie wie Liara Shepard um den Hals fiel und sie überschwänglich umarmte. Diese erwiderte die Umarmung herzlich und die Asari gab dem Käpt’n einen Kuss auf die Wange. Daraufhin löste Grace die Umarmung, nahm Liaras Gesicht zwischen Hände und hauchte ihr einen langen Kuss auf die Stirn.
Das war der Moment, in dem Sam sich hastig abwandte. Mit einem Mal hatte sie das Gefühl, als ob sie sich im Kampf eine zweite Wunde über der ersten zugezogen hätte. Dann spürte sie auch in der Gegend ihres Herzens so ein schmerzhaftes Ziehen.  So schnell sie es vermochte, ohne zu rennen ging sie weg und fand sich schließlich am Bug der Normandy wieder. Dort ließ sie sich nieder und blickten auf den Horizont hinaus. Ihre Augen brannten und zu ihrem Entsetzen wurden sie auch langsam feucht.

Die junge Frau dachte nach. Die Enttäuschung und der Schmerz, den sie verspürte ließ nur einen Schluss zu: Sie war Eifersüchtig. Eifersüchtig auf Liara. Und das war der endgültige Beweis. Was so schon seit langem geahnt und irgendwie auch gefürchtet hatte, war nun nicht mehr zu leugnen: Sie hatte sich in Grace Shepard verliebt. Sie, das einfache Mädchen aus Pentcost, hatte ihr Herz an eine Piratin verloren. Und was für eine! Erfahren, charismatisch, wunderschön. Liebenswürdig, mutig, tödlich, inspirierend und sicher nicht an einer naiven Schneidertochter interessiert. Sie hätte es wissen müssen. Um nicht zu sagen, sie hatte es gewusst. Eine Frau wie Grace konnte jeden, oder auch jede haben. Warum sollte sie sich ausgerechnet für ein unerfahrenes kleines Ding wie sie, das nichts von der Welt wusste interessieren. Liara dagegen war da ein ganz anderer Fall. Sie war jung, aber nicht unerfahren. Sie war schön und gebildet, die Tochter einer mächtigen Matriarchin, also so etwas wie eine Prinzessin und darüber hinaus ebenfalls freundlich und liebenswert und eindeutig an Grace interessiert, was ja nicht weiter verwunderlich war. Was sollte sie dagegen für eine Chance haben?

Sie verfluchte sich selbst dafür, sich jemals so falsche Hoffnungen gemacht zu habe und sei es auch nur unbewusst. Sie sollte endlich aufhören, zu träumen. Die Realität war längst nicht so romantisch, wie die Märchen, die ihr ihre Mutter immer erzählt hatte, oder ihre Träumereinen, denen sie sich früher immer hingegeben hatte. Ihr Vater hatte Recht gehabt. Sie sollte endlich erwachsen werden. Gerade jetzt, wo sie ein neues, sehr gefährliches Leben führte. Sonst würde sie es nicht lange überleben. Eine einzelne Träne verließ ihre Augenhöhle und bahnte sich langsam ihren Weg an der Nase vorbei und über die Wange, geradewegs nach unten.

Die junge Frau atmete tief durch, um sich zu beruhigen, blieb jedoch noch eine Weile am Bug sitzen und dachte nach. Als es schließlich Essenzeit wurde, ging sie langsam und schwermütig zur Kombüse, holte sich etwas zu essen, setzte sich wieder an den Bug und stocherte lustlos in ihrer Portion herum. Sie verspürte keinen richtigen Appetit und aß langsam und unmotiviert auf. Anschließend blieb sie sitzen, beobachtete die untergehende Sonne und dachte nach.

 

Langsam wurde das Sonnenlicht schwächer und die Nacht brach herein, über der Karibischen See. Auch an Deck der Normandy wurde es ruhiger, als immer mehr Crewmitglieder sich zur Ruhe begaben. Nur am Bug saß immer noch Samantha und hing ihren Gedanken nach. So bemerkte sie nicht, dass Shepard schließlich zu ihr trat.

„Sam?“, fragte sie sanft und diese blickte sich, kurz erschrocken um.

„Ach, du bist es“, sagte sie mit apathischer Stimme.

„Tut mir Leid. Ich wollte dich nicht erschrecken“, sagte Grace. Aber du sitzt hie schon seit heute Nachmittag und grübelst. Ist etwas nicht Ordnung?“

„Nein, nein! Alles in Ordnung“, antwortete Sam schnell und wusste selbst nicht, warum sie das sagte und dermaßen schlecht log.

Klar, dass Grace ihr nicht glaubte und entgegnete: „Du bist keine gute Lügnerin. Ich kenne dich mittlerweile gut genug, um zu wissen, wenn dich etwas bedrückt. Also bitte, sprich mit mir! Was ist los? Sind es die vier Mann, die wir auf Noveria verloren haben?“
„Ja, das auch, aber es sind vor allem persönliche Sorgen, die mich umtreiben “, antwortete sie langsam.

 „Oh.“ Grace war scheinbar überrascht. „Welche Art von Sorgen?“

„Ich kann es nicht sagen“, versuchte Sam abzublocken. „Ich will dir nicht zur Last fallen.“
„Du fällst mir aber nicht zur Last“, beharrte Grace. „Ich sagte dir doch, ich bin für meine Leute da. Und wenn dir das nicht hilft, dann sprich mit mir nicht von Matrosin zu Käpt’n, sondern von Freundin zu Freundin.“ Sie hockte sich neben sie und blickte sie eindringlich an. „Ich bin auch für meine Freunde da. Immer. Also bitte, sag was dich bedrückt!“

Sam seufzte, leicht verzweifelt. Ihr Herz lief ihr über und es gab so viel, das sie jetzt sagen wollte, aber sie schaffte es einfach nicht. Die Worte wollten ihre Kehle nicht passieren. So sagte sie nur: „Das ist sehr lieb von dir, aber das macht es mir nicht leichter. Ich kann es dir nicht sagen. Ich will unsere Freundschaft nicht zerstören.“
„Unsere Freundschaft zerstören?“, wiederholte Grace verwundert. „Was kann denn so schlimm sein? Bitte, ich mache mir langsam wirklich Sorgen.“
Sam stand auf, ging ganz nach vorne an die Reling und atmete tief ein. Shepard folgte ihr. Schließlich brach es aus Sam heraus: „Es ist nichts weiter. Ich hoffe nur… Ich hoffe nur, du und Liara, ihr werdet glücklich miteinander.“

„Liara und ich?“, echote Grace. „Glücklich. Was meinst du denn?“

„Du musst es doch nicht leugnen“, sagte Sam, sich innerlich verfluchend, dass ihr das herausgerutscht war. Aber es hatte einfach heraus müssen und irgendwie war es doch auch erleichternd. „Ich habe euch doch gesehen, einander umarmend und küssend.“

Grace schien einen Moment zu überlegen. Dann sagte sie: „Ach das. Das waren doch nur freundschaftliche Gesten. Sie hat mich, zum Dank für die Rettung ihrer Mutter auf die Wange geküsst und ich habe ihr, als Zeichen der Zuneigung und Freundschaft einen Kuss auf die Stirn gegeben. Das war es aber auch schon…“ Sie unterbrach sich, bedachte Sam mit einem hintergründig lächelnden Blick und stellte fest: „Du bist eifersüchtig.“

Sam errötete und blickte beschämt zu Boden. Jetzt war es heraus! Grace hatte sie durchschaut! Ihr Herz pochte wieder stärker. Wie würde ihr Käpt’n jetzt reagieren?

Die Rothaarige stellte sich ganz dicht neben sie und brachte sie dazu ihr in die Augen zu sehen. „Du bist so süß, wenn du verlegen bist“, sagte sie leise. „Und es ist irgendwie niedlich, dass du so eifersüchtig bist. Aber ich kann dir versichern, dafür hast du überhaupt keinen Grund.“

„Nein?“, fragte Sam.

„Nein“, flüsterte Grace und kam mit ihrem Gesicht immer näher. Sam war wie erstarrt, als die Lippen ihres Käpt’ns sanft und zögerlich die ihren berührten. Ihr Verstand setzte aus und mit einem Mal übernahm ihr Körper selbst die Kontrolle und erwiderte die Berührung. Der Kuss wurde entschlossener, inniger und ohne es zu merken, nahmen die beiden sich in die Arme, völlig den Duft und die beruhigende Nähe der anderen genießend.

Nach einer Weile, Sam konnte unmöglich sagen, wie viel Zeit vergangen war, lösten sie sich voneinander. Sams Knie zitterten und ihr Herz flatterte, wie ein Schmetterling, der der Sonne entgegen flog. In ihrem Inneren schien alles zu tanzen. Ihr Blick war in diesen wundervollen grünen Augen gefangen, die sie schelmisch und doch zärtlich anblitzten.

„Noch Fragen?“, flüsterte Grace, sanft lächelnd.
„Keine Fragen“, erwiderte Sam. „Aber ich muss noch etwas überprüfen.“ Und mit diesen Worten bewegte sie ihre Lippen gegen die der Rothaarigen.

Der zweite Kuss war anders. Immer noch sanft und zärtlich, aber nicht mehr so zögerlich, sondern sicherer und intensiver. Draußen war es finstere Nacht, aber in Sams Bauch schien die Sonne aufzugehen und sie dachte nur noch am Rande: „Wenn das ein Traum ist, will ich nie wieder aufwachen.“

 

   

 

Grog Effect Kapitel 33
Endlich ist es soweit. :D
Loading...

Die Stimme der Matriarchin war von solchem Ernst und solcher Intensität, dass alle Anwesenden nicht anders konnten, als alarmiert zu ihr aufzublicken.

„Und welche Rolle spielen die Rachni dabei?“, fragte Grace.

„Cerberus will die Völker dieser Inseln zugunsten der eigenen Stärke gegeneinander ausspielen. Woher sie vom Überleben der Rachni erfahren haben, weiß ich nicht. Aber Saren kam relativ rasch auf den Gedanken, bei ihnen Rachedurst und neue Eroberungsgelüste zu wecken. Was er aber nicht wissen konnte war, dass die Rachni aus der Geschichte gelernt haben und keinen Krieg mehr wünschen.“, erklärte Benezia.

„Ich verstehe“, sagte Grace und wandte sich wieder an die Rachnikönigin: „Die Matriarchin erklärte mir gerade, dass euer Volk den Versuchen, euch gegen die anderen Völker aufzuhetzen widerstanden hat. Ihr wünscht also keinen Krieg mehr?“

Die junge Asari übersetzte wieder und nach einer Weile kam die Antwort der Königin: „Das ist richtig. Sieh doch, was der Ehrgeiz und die Kriegstreiberei unserer Vorfahren uns eingebracht haben. Wir sind nur noch ein kleines Volk, von dessen einstiger Größe nichts mehr übrig geblieben ist und das sich in abgelegen Gebieten verstecken muss. Kaum jemand erinnert sich an uns und die, die es tun, tun es mit Verachtung. Wir wollen eine bessere Zukunft für unsere Kinder. Dafür dürfen wir die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Und wir hoffen, dass du das auch nicht willst.“
„Da kann ich Euch beruhigen“, antwortete Shepard. „Ich mache weder Euch, noch Eure Kinder für die Taten Eurer Vorfahren verantwortlich. Ich wünsche mir Frieden für alle Menschen auf diesen Inseln und das schließt das Volk der Rachni mit ein.“

„Das beruhigt uns sehr“, ließ die Königin antworten. „Dann darf ich hoffen, dass du und die deinen das Geheimnis unserer Existenz für euch behaltet.“

„Ihr dürft nicht nur hoffen, ihr dürft euch sicher sein. Von uns wird niemand etwas über euch erfahren. Darauf gebe ich Euch mein Ehrenwort.“

 „Wir danken dir, Kapitän. Wir werden deine Güte nicht vergessen.“

Sie ging wieder zu ihren Kriegern und Shepard wandte sich wieder an Benezia: „Ich hätte noch einige Fragen an Euch, geschätzte Matriarchin. Seid Ihr bereit, sie mir zu beantworten?“

„Ich werde mein bestes tun“, antwortete die Asari. „Fragt, was Euch auf dem Herzen liegt.“

„Was wisst Ihr über Cerberus?“, begann Grace allgemein, zu fragen.

Inzwischen hatte sich der innere Kreis der Normandy um sie versammelt, während der Rest der Mannschaft sich entweder um die Verwundeten kümmerte, oder die Festung nach Plündergut durchsuchte.

„Nur, dass es diese Organisation eigentlich gar nicht mehr geben sollte. Es handelte sich nämlich ursprünglich…“

„Wir kennen die Vorgeschichte der Piratenjäger“, unterbrach Grace die Matriarchin. „Ich meinte eher, was wisst Ihr über ihre jetzigen Ziele und Pläne? Was haben sie vor und über welche Mittel verfügen sie?“

Benezia nickte und fuhr fort: „Die größte Waffe dieser Gruppierung ist momentan die Verschwiegenheit. Kaum jemand weiß, dass eine solche Organisation überhaupt existiert, geschweige denn, wer dazu gehört. Es sind einige wenige, die innerhalb von Cerberus Macht inne haben. Ich kann jedoch mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass sie einen eindeutigen Anführer haben. Doch niemand weiß, wer er ist, oder woher er stammt. Selbst Saren bezeichnete ihn immer nur als „Der Unbekannte“.

Die Piraten blickten einander erstaunt an. Ein geheimnisvoller Unbekannter hielt hier also offenbar alle Fäden in der Hand und spielte ein absolut tödliches Spiel. „Welche Rolle nimmt Saren in diesem Zusammenhang ein?“, fragte Grace weiter.

„Er steht für den Unbekannten an vorderster Front. Seine Aufgabe ist es, eine Arme für ihn aufzustellen“, erklärte die Matriarchin. „Der Unbekannte selbst sitzt irgendwo, wie eine Spinne in ihrem Netz. Vor allem in den Reihen spanischer Kolonialherren hat er offenbar ziemlich viele Vasallen und Verbündete. Sie stellen ihm Ressourcen, Soldaten und Schiffe zur Verfügung. Allerdings können sie das nur in begrenztem Maße. Um seine ehrgeizigen Pläne umsetzen zu können, braucht er aber eine große Streitmacht. Saren sollte diese für ihn aufstellen. Mit allen erforderlichen Mitteln.“
„Auch damit, abgelegene Kolonien zu überfallen und Zivilisten zu entführen?“, hakte Grace nach.

„Zweifellos“, antwortete die Matriarchin. „Aber Ihr klingt, als würdet Ihr an etwas bestimmtes denken, Käpt’n Shepard.“

„Allerdings“, antwortete diese. „Samantha hier stammt aus einer abgelegenen Kolonie namens Pentcost, im Süden Haitis und wurde Zeugin, wie spanische Soldaten, unter der Führung eines Mannes, den sie später eindeutig als Saren wieder erkannte, ihr Zuhause nieder brannten und alle Koloniebewohner verschlepptem. Habt Ihr irgendeine Ahnung, wo sie sie hingebracht haben könnten?“

„Wohin auch immer Cerberus seine Sklaven bringt“, gab Benezia eine eher unbefriedigende Antwort. „Ich habe bereits von derartigem gehört“, fuhr sie fort. „Saren soll Cerberus zur stärksten Militärmacht der Karibik machen, mit einer schlagkräftigen Armee und einer ebenso starken Flotte. Dementsprechend brauchen sie eben auch viele Arbeitskräfte, um die Waffen herzustellen und um Schiffe zu bauen. Sie viele Arbeitskräfte sind auf gerechtem Wege nicht zu bekommen. Aus diesem Grund verschleppt Saren Menschen aus abgelegenen Gebieten, wo es nicht sofort auffällt. Er bringt sie an einen geheimen Ort, wo sie, je nach Eignung für verschiedene Zwecke eingesetzt werden. Für die Nahrungsversorgung, Erzabbau, Schmiedearbeit, oder für den Schiffsbau. Vermutlich benötigen sie dafür sogar die meiste Arbeitskraft.“
„Wieso denn das?“, fragte Samantha. „Legt Cerberus denn auf seine Flotte solchen Wert?“

„Allerdings. Der Schlüssel zur Kontrolle über ein Inselreich, ist die Herrschaft über das Meer. Und dazu bracht man eine starke Flotte. Und zu diesem Zweck macht Saren selbst das unmögliche möglich“, antwortete Benezia.

„Wie meint Ihr das?“, fragte Grace, durch den letzten Satz hellhörig geworden.

„Saren hat vor mir geprahlt, indem er mir seine Geheimwaffe gezeigt hat“, erzählte Benezia.
„Welche Geheimwaffe?“, fragten Shepard und einige andere, wie aus einem Mund.

„Sein Schiff. Es ist das größte Kriegsschiff, das ich jemals gesehen habe. Es ist so groß, wie ein schwimmender Berg und mit unzähligen großen Geschützen ausgestattet. Ich verstehe nicht allzu viel von der Schiffsbaukunst Eures Volkes, aber ich bin überzeugt, dass dieses Kriegschiff alleine einen ganzen Konvoi Eurer Schiffe zerstören könnte. Saren wurde zumindest nicht müde, damit zu prahlen. Er nennt es „Sovereign“.“

„Klingt übel“, meinte Kaidan.

„Allerdings“, stimmte Ashley ihm zu.

„Saren ist ein gutes Stichwort“, behielt Shepard die Fassung. „Wo ist er?“

„Bis vor kurzem war er noch hier“, antwortete Liaras Mutter. „Nachdem er allerdings festgestellt hatte, dass seine Pläne mit den Rachni nicht ganz so wunschgemäß verlaufen, wie er sich das vorgestellt hatte, ist er fortgesegelt.“
„Wohin?“

„In Richtung der Insel, die bei seinem Volk den Namen Virmire trägt.“

„Was ist an dieser Insel so besonders“, wollte Grace wissen.

Garrus schaltete sich ein: „Sie war meinem Volk einst heilig, da sie eine wichtige Rolle in einem alten Mythos spielt. Aber ich verstehe nicht ganz, was Saren dort will. Soweit ich weiß, ist sie unbewohnt.“

„Vermutlich ist genau das der Grund, aus dem Saren ein Fort auf dieser Insel errichtet hat“, sagte Benezia.

„Dann sind die Informationen des Rates also richtig“, resümierte Shepard. „Saren scheint sich tatsächlich auf Virmire zu verstecken.“
„Dann nichts wie hin!“, sagte Sam.

„Langsam!“, bremste Grace sie wieder ein wenig. „Wir können nicht einfach so auf ein feindliches Fort lossegeln. Wir brauchen noch Informationen, um etwas planen zu können. Außerdem haben wir noch eine Angelegenheit zu klären. Nicht wahr, Matriarchin?“

Shepard wandte sich mit steinerner Miene Benezia zu. „Ihr wisst was ich meine, oder?“
„Ich ahne es“, antwortete Benezia ebenso ernst.
„In den Augen des Matriarchinnenrates von Thessia und des Citadel-Rates habt Ihr Euch des Hochverrats schuldig gemacht. Welche Strafe darauf steht, ist bekannt. Ratsherrin Tevos hat mir befohlen, das Urteil zu vollstrecken, es sei denn, Ihr könnt Beweise vorbringen um die Anklage zu entkräften.“
„Ich fürchte, ich kann nichts Derartiges vorbringen“, antwortete die Matriarchin gefasst. „Allein die Rachni könnten mit ihrer Zeugenaussage mein Leben und meine Ehre rette, doch das wird nicht gehen, da sie ihre Zuflucht aufgeben müssten und ihnen wohl niemand glauben wird. Ich werde also als Verräterin sterben. Ich bitte Euch nur, es schnell zu machen, Käpt’n Shepard.“

Sam war entsetzt. Eine eiskalte Faust schien sich um ihr innerstes zu schließen.

Liara rief: „Mutter, nein! Was sagst du denn da?“

Benezia blickte ihrer Tochter sanft in die Augen und antwortete: „Die Wahrheit, mein Kind. Ich kann meine Unschuld nicht beweisen und wenn Shepard mich nicht tötet, wird es jemand anderes zun. Es bringt also nichts, davonzulaufen. Man sollte sich seinem Schicksal stellen, wenn es so einen einholt.“
„Du willst einfach so aufgeben?“, rief Liara entrüstet und verzweifelt. „Aber du bist unschuldig! Saren hat dich hereingelegt!“

„Hat er das?“, fragte die Matriarchin melancholisch. „Oder war ich es, die in ihrer Verblendung nicht sehen wollte, wer er wirklich ist und was er anstrebt? Nur wenige würden mich wirklich als unschuldig ansehen. Ich habe mich blenden lassen, in mehr als einer Hinsicht. Die Europäer haben ein Sprichwort: Alter schützt vor Torheit nicht. Und für manche Torheit bezahlt man einen hohen Preis.“
„Nein!“, schrie Liara panisch. „Tu das nicht! Denk doch an mich!“

„Das tue ich doch, mein kleiner Flügel“, entgegnete Benezia zärtlich. „Du trägst meinen Namen und daher auch den Makel, meines Verrats. Der einzige Weg, dich reinzuwaschen ist, dass ich den Preis für meine Schuld bezahle.“
„Meine Ehre ist mir egal!“, erwiderte Liara hitzig. „Ich habe ohnehin bereits mit sämtlichen Traditionen gebrochen und ich bin froh darüber. Bitte, Shepard! Tu das nicht! Du hast mir etwas versprochen! Du kannst das doch nicht einfach so zulassen!“

Die junge Asari brach in Tränen aus und schluchzte herzergreifend. Sam kamen dabei selbst die Tränen und sie blickte fassungslos zu ihrem Käpt’n. Sie würde Benezia doch nicht wirklich töten? Aber welche Wahl blieb ihr denn, wenn die Matriarchin selbst ihren Tod wohl akzeptiert hatte?

Liara schluchzte immer weiter und Benezia umarmte ihre Tochter. Diese versuchte sich anfangs loszureißen, gab es aber schließlich auf und lehnte sich, von heftigen Weinkrämpfen geschüttelt an ihre Mutter.

Sam und die anderen sahen den beiden gerührt zu. Niemand sagte etwas. Es wusste auch keiner, was man hätte sagen können. Aus den Augenwinkeln sah Sam, wie Grace weg ging, offenbar zu den Rachni, die sich wieder um ihre Königin versammelt hatten.

„Schhh, mein kleiner Flügel“, sprach Benezia sanft auf ihre Tochter ein. „Es ist alles gut! Ich bin alt und habe mein Leben gelebt. Ich fürchte die letzte Reise nicht. Und eines Tages werden wir uns in der Dämmerung wieder sehen. Bis dahin denk daran, dass ich stolz auf dich bin, meine Tochter und dass es mir sehr leid tut, dass ich dir nicht immer die Mutter sein konnte, die du verdient hättest. Ich wünsche dir, dass du deinen Weg findest und glücklich wirst. Versprich mir nur, dass du dich selbst nie aufgibst! Dann kann ich beruhigt einschlafen. Möge die Göttin immer über dich wachen.“
Liara antwortete nichts. Zu heftig zitterte und weinte sie.

Shepard kam wieder auf sie zu, neben ihr die Rachnikönigin und deren junge Übersetzerin. „Matriarchin!“, ergriff Grace das Wort. „Ich habe mit der Königin der Rachni gesprochen und aus Dankbarkeit uns allen gegenüber, hat sie mit einen Wunsch gewährt. Sie und ihr Volk werden Euch bei sich aufnehmen, Euch Zuflucht gewähren und als eine der ihren ansehen, wenn Ihr das wünscht.“

Die Matriarchin war einen Moment verblüfft. Dann wandte sie sich an die Königin und die beiden wechselten ein paar Worte in deren Sprache. Dann verneigte sich Benezia vor der Königin und anschließend vor Shepard. Sie sprach: „Ich bin Euch zu Dank verpflichtet, Grace Shepard. Eure Eltern haben mit Eurem Namen eine gute Wahl getroffen. Ihr seid tatsächlich voller Gnade. Ich werde das Angebot unserer Rachni-Freunde annehmen. Aber wie wollt ihr das vor dem Rat rechtfertigen?“

Die Erleichterung, die alle Anwesenden erfasste, war körperlich zu spüren. Sam atmete erleichtert aus und Liara wurde, nun aufgrund ihrer Erleichterung, direkt vom nächsten Weinkrampf erfasst. Sam und Tali stützten sie rasch, damit sie nicht am Ende noch den Boden unter den Füßen verlor.

„Darüber macht Euch mal keine Sorgen“, antwortete Grace der Matriarchin. „Wir werden Tevos berichten, dass Ihr auf Noveria für euren Verrat gestorben seid. Damit seid Ihr und die Rachni erstmal in Sicherheit.“

„Seid erneut bedankt, Grace Shepard“, sagte Benezia, spürbar gerührt. „Ihr seid in der Tat eine ganz besondere Piratin. Ich bin froh und glücklich, meine Tochter in Eurer Mannschaft zu wissen. Ich wünsche Euch nur das Beste. Möge die Göttin allzeit über Euch und Eure Freunde wachen!“

„Dasselbe wünsche ich Euch“, antwortete Shepard mit einer Verbeugung. „Ich hoffe, wir sehen uns eines Tages, unter angenehmeren Umständen wieder.“
„Ich bin überzeugt, dass wir das werden“, antwortete Benezia. „Bis dahin wünsche ich Euch viel Glück, bei Eurem Kampf gegen Cerberus. Wenn Ihr je meine Hilfe brauchen solltet, werde ich kommen.“

„Ich danke Euch“, sagte Shepard. „Doch nun müssen wir zurück, auf unser Schiff. Auf ein Wiedersehen, edle Matriarchin.“
„Auf Wiedersehen, Shepard.“
Sam hatte Tränen der Erleichterung in den Augen, zu denen sich auch noch Tränen der Rührung gesellten, als sie sah, wie Benezia und Liara sich erneut innig umarmten. Liara schluchzte immer noch und auch die anderen Anwesenden wischten sich, teils offen, teils verstohlen die Augen. Selbst aus Graces Augen glänzte es feucht, als sie sich ihren Freunden zuwandte und sagte: „Also gut, Leute. Sammeln wir die Mannschaft und gehen zurück zur Normandy!“

 

 

Sam zog rasch ihre Pistole und schoss in die Menge der feindlichen Soldaten. Ob sie wirklich etwas getroffen hatte, interessierte sie jedoch nicht weiter, denn der Schuss hatte nur dem Zweck gedient, den drei kämpfenden Frauen etwas Luft zu verschaffen. „Los, runter!“, rief sie und rannte hinunter zu dem offenen Tor, wo Garrus mutterseelenallein stand, um es offen zu halten. Tali und Liara begriffen zum Glück rasch und eilten ihr nach.
Die Verteidiger merkten natürlich ebenfalls, was sie vorhatten und nahmen die Verfolgung auf. Die drei Frauen erreichten Garrus und zu viert stellten sie sich Rücken an Rücken zwischen den beiden Torflügeln auf. Die Feinde umkreisten sie, doch keiner wagte einen Angriff. Die unruhigen, schnellen Blicke, die die Soldaten immer wieder zum Wall warfen, machten deutlich, dass sie hin und her gerissen waren und wohl eigentlich lieber ihren Kameraden im Kampf gegen die Rachni beigestanden hätten. Sehr zum Glück der Piratengruppe. Des Weiteren schien die Schwertkunst von Sam, Liara und Tali ihnen Respekt eingeflößt zu haben und keiner wollte, durch einen überhasteten Angriff sein Leben wegwerfen. So belauerten sich beide Seiten gegenseitig und niemand wagte den ersten Hieb. Auf Dauer würde das aber nicht funktionieren und Sam hoffte, dass sie lange genug durchhielten, bis Grace und die anderen hier ankamen. Schließlich wagten sich die ersten Gegner doch nach vorne, riskierten jedoch nicht mehr, als ein paar vorsichtige Hiebe, die die vier Gefährten mühelos abblocken konnten. Sam atmete tief durch und hoffte, dass Cerberus nicht auf die Idee kam, Schusswaffen einzusetzen. In diesem Fall würden sie ihre Viererformation nämlich auflösen müssen und wären leichte Beute. Doch bisher sah es nicht danach aus. Im Gegenteil. Die Befehlshaber waren wohl der Ansicht, dass alle Feuerkraft für die Verteidigung des Walls benötigt wurde und ein Kampftrupp von etwa dreißig Mann mehr als ausreichend waren, um mit vier Eindringlingen fertig zu werden. Doch die dreißig zeigten sich von der Kampfkraft dieser bewussten vier eher eingeschüchtert. Sam war es recht. Das erhörte die Chance, dass der Plan aufging.

 Inzwischen hatten die Feinde sie eingekreist und versuchten, sie mit koordinierten Angriffen aus dem Konzept zu bringen. Der Erfolg hielt sich in Grenzen, aber Sam und auch ihre Freunde wussten, dass sie früher oder später einen Fehler machen würden. Am liebsten hätte sie sich ja ins Getümmel geworfen, aber das wäre taktischer Irrsinn gewesen. So hielt sie an Ort und Stelle stand und riskierte auch keine unnötigen Angriffe, sondern konzentrierte sich af das parieren.

So verrann die Zeit und Sam kam allmählich ins Schwitzen, als plötzlich ein Schrei von Fern ertönte. Ein markerschütternder Kampfschrei von einer weiblichen Stimme, die der jungen Piratin nur zu bekannt war. Ihr Herz machte einen Hüpfer. Grace war hier. Die Mission war erfüllt.

Voller Freude konterte Sam einen weiteren Gegner aus und übersah die Klinge eines seiner Kameraden. Sie wich hastig zurück, doch sie konnte dem Stoß nicht mehr ganz entkommen. Metall schnitt sich durch das Fleisch ihrer rechten Seite. Sam schrie auf, allerdings mehr aus Überraschung, denn aus Schmerz, denn sie spürte kaum etwas. Das Gefühl von kaltem Stahl und ein seltsames Ziehen war alles, was sie empfand. Liara sprang ihr bei und schickte den Schuldigen zu Boden. Sam war immer noch verwundert, dass sie fast nichts spürte, beschloss dem aber erstmal keine Beachtung zu schenken und weiter zu kämpfen.

Schließlich wurde es unter den Feinden unruhig. Und als plötzlich vielstimmiges Kriegsgeschrei aus nächster Nähe ertönte, gab es für die noch lebenden Mitglieder des Kampftrupps kein Halten mehr. Sie machten auf dem Absatz kehrt und liefen, so schnell sie nur konnten zurück auf die Wälle, zu ihren Kameraden. Die Normandy-Piraten stürmten ohne Widerstand durch das Tor.

Grace kam auf die vier Gefährten zu und rief ihnen zu: „Ihr habt es geschafft! Perfekt! Ich bin stolz auf euch! Allerdings habe ich gleich den nächsten Spezialauftrag für euch!“

„Wie lautet er?“, fragte Garrus laut, um den Lärm des Getümmels zu übertönen.

„Nutzt das Chaos, findet Benezia und befreit sie!“

„Aye, aye!“, rief Garrus erneut und gab seinen drei Begleiterinnen ein Zeichen, ihm zu folgen. Diese taten das auch und so gingen sie etwas beiseite, während alle anderen Piraten auf den Wall rannten und gegen die ziemlich überraschten und wohl auch überforderten Cerberus-Verteidiger anstürmten. Sam sandte ein stummes Stoßgebet zum Himmel, dass der Kampf auch Wunschgemäß verlief und es möglichst keine Verluste zu beklagen geben würde.

Nun, nachdem ihre Kameraden alle vorbei gerannt waren, eilten die vier selbst wieder auf den Wall, um sich von der erhöhten Position einen Überblick zu verschaffen. Doch während sie die Treppe hinaufliefen, spürte Sam einen ziehenden Schmerz in der rechten Seite. Sie ignorierte das jedoch und strengte sich an, um Schritt zu halten. Die drei Piratinnen folgten Garrus ein Stück weiter nach rechts und auf eine Art Wachturm. Als Sam schließlich oben ankam, war sie ziemlich außer Atem und musste ein paar Mal hastig Luft holen.

Als sie sich wieder einigermaßen gefasst hatte, trat sie nach vorne, neben ihre Gefährten und blickte nach unten, auf die Anlage. Von hier oben hatte man auch einen sehr guten Überblick über den Verlauf der Schlacht. Und der sah soweit ganz gut aus. Die Verteidiger auf den Mauern wurden zwischen den anstürmenden Rachni-Kriegern und den, vom Hof aus angreifenden Piraten zerrieben, wie Korn zwischen zwei Mühlsteinen. Blieb nur zu hoffen, dass die Rachni und die Piraten dann nicht, ohne nachzudenken aufeinander losgingen, denn wie das ausgehen würde, war momentan nicht zu sagen. Sam wandte den Blick mühsam vom Schlachtgeschehen ab. Das hieß vor allem von Käpt’n Shepards flammend rotem Haarschopf, der aus der Menge hervor stach. Die Wildheit mit der Grace sich in den Kampf stürzte, löste erneut ein Gefühl der Bewunderung, um nicht zu sagen, der Verehrung in Sam aus, aber auch ein Gefühl der tiefen Besorgnis. „Grace kann auf sich selbst aufpassen!“, rief sie sich ins Gedächtnis, um sich selbst zu beruhigen. Das klappte nur bedingt, doch die Mission hatte Vorrang.

In diesem Moment sagte Tali: „Da!“, und deutete auf ein kleines Nebengebäude, das an einen Wall im zweiten Innenhof angebaut war. Es wäre wohl auch nicht weiter aufgefallen, wenn es sich nicht durch eine wesentliche Besonderheit ausgezeichnet hätte: Es war bewacht.

Vier Mann standen vor der massiven Holztür, die eindeutig kein originaler Bestandteil des Gebäudes war und außerdem, von außen verriegelt war, wie der lange Balken zeigte und traten unruhig von einem Bein aufs andere, sichtlich unzufrieden mit der Aufgabe, hier still dastehen zu müssen, während quasi neben ihnen ein Kampf tobte.

Garrus sagte: „Gutes Auge, Tali. Dann los!“

Die vier eilten schnell wieder von dem Wachturm hinunter, in den Innenhof, zogen wieder ihre Schwerter und während die anderen beiden noch zögerten, stürmten Liara und Sam bereits schreiend nach vorne und gingen auf die überraschten Soldaten los. Liara hatte den ersten bereits mit dem Schwert durchbohrt, Sam schlug dem zweiten zwei klaffende Wunden in die Brust, worauf er laut schreiend zusammenbrach. Die anderen beiden hatten aber inzwischen auch ihre Schwerter gezogen und gingen zum Gegenangriff über. Sam wich einem Schwerthieb aus, drehte sich dabei und schlitzte dem Angreifer in der Drehung die Kehle auf. Der vierte hatte Liara knapp verfehlt und stand nun mit dem Rücken zu Sam. Und diese fackelte nicht lange und stieß zu. Der Soldat stöhnte auf, ließ seine Waffe fallen und starrte entsetzt auf seine Brust, aus der eine blutige Schwertsspitze ragte. Mit einem Ruck zog Sam das Schwert wieder heraus und der Soldat kippte ächzend nach vorne.

Die drei Piraten starrten Sam überrascht an. Sie hatte soeben drei Mann erledigt. Liara war die erste, die sich wieder fasste und sagte: „Los, helft mir, die Tür zu öffnen!“

Garrus und Sam gingen ihr zur Hand und zu dritt entfernten sie den schweren Balken und stießen die Tür auf.

Vor ihnen lag ein karg eingerichteter, steinerner Raum. Auf den ersten Blick war nicht zu erkennen, welchem Zweck es wohl ursprünglich gedient haben mochte. Nun diente er eindeutig als Zelle. Und in dieser Zelle saß, auf einer steinernen Bank eine Frau. Eine eingeborene Frau, die ein langes, aber zerschlissenes Kleid trug, das wie eine Robe wirkte. Auf dem Kopf trug sie eine Art Helm, der wohl aus Kupfer gefertigt war, aber irgendwie auch wie ein Diadem, oder eine Krone wirkte. Sie blickte den vier Piraten mit stolzem und trotzigem und doch ruhigem Blick entgegen. Der Ausdruck wechselte aber in Überraschung, als sie die Neuankömmlinge näher betrachtete.

„Ihr gehört nicht zu den Soldaten von Cerberus“, stellte sie mit stoischer aber sonorer Stimme fest.

„Nein…“, setzte Garrus an zu antworten, kam aber nicht weiter, da Liara an ihm vorbeistürmte.

„Mutter!“, rief sie aufgeregt.

„Liara?“, fragte Benezia überrascht. „Was, bei der Göttin machst du hier?“

„Wir wollen dich retten“, antwortete Liara und umarmte ihre Mutter.

Diese erwiderte die Umarmung und fragte: „Wir? Wer ist wir?“

Garrus räusperte sich und zog so Benezias Aufmerksamkeit wieder auf sich. Er neigte das Haupt und sagte: „Meine Verehrung, Lady Benezia. Mein Name ist Garrus Vakarian. Meine Gefährtinnen hier, sind Tali’Zorah nar Rayya und Samantha Traynor. Liara kennt ihr ja. Wir gehören zur Mannschaft der Normandy unter dem Befehl von Käpt’n Shepard, besser bekannt als Savage Shep.“

„Savage Shep?“, fragte Benezia. „Ich kenne diesen Namen.“ Sie blickte ungläubig zu ihrer Tochter: „Du hast dich also Piraten angeschlossen.“

Die Temperatur im Raum schien zu sinken und Sam hatte mit einem Mal ein ungutes Gefühl.

„Nun…ja“, antwortete Liara leise. „Aber Shepard ist keine gewöhnliche Piratin. Sie ist eine gütige und wundervolle Frau und eine großartige Anführerin. Sie behandelt jeden mit Respekt und Achtung und…“
„Schon gut, mein Kind“, unterbrach sie die Matriarchin. „Ich habe bereits einiges über diese Piratin gehört und überwiegend gutes. Ich hätte nur nie damit gerechnet, dich ausgerechnet in ihrer Mannschaft zu finden. Aber ich bin froh, dich zu sehen“, setzte sie hinzu und Mutter und Tochter umarmten sich erneut.

Sam wurde bei diesem Anblick ganz warm ums Herz. Allerdings spürte sie auch ein bisschen Wehmut, da sie an ihre eigenen Eltern denken musste. Hoffentlich waren sie am Leben.

 Schließlich räusperte sich Garrus erneut und sagte; „Ich will ja nicht stören, aber da draußen tobt immer noch ein Kampf und wir wissen nicht, wie die Rachni auf unsere Kameraden reagieren werden!“
„Die Rachni greifen wieder an?“, fragte die Matriarchin nach.
„Ja“, antwortete Liara. „Im Moment tobt in der Festung ein Dreierkampf, zwischen Cerberus, uns und den Rachni.“
„Dann sollten wir keine Zeit mehr verlieren! Bringt mich dorthin!“, verlangte Benezia.

„Wie Ihr wünscht“, sagte Sam. „Folgt mir, bitte.“
Garrus blickte verwundert zu der jungen Frau. Er hatte wohl etwas anderes sagen wollen und rang jetzt nach Worten. Schließlich beließ er es aber dabei und die fünf eilten, Sam vorneweg aus der Zelle und hinauf auf die Wälle. Von dort erklang noch immer Kampflärm und die Gruppe beschleunigte ihre Schritte, als sie Grace laut rufen hörte: „Tötet sie nicht, wenn ihr nicht müsst!“

Als die Fünfergruppe oben ankam, sahen sie, dass von Cerberus nicht mehr viel übrig war. Die wenigen, die von den Verteidigern noch lebten, kauerten in einer Ecke und warteten mit erhobenen Händen auf den Ausgang des Kampfes. Denn nun maßen sich die Piraten mit den Rachni, wenngleich beide Seiten aber eher zögerlich angriffen. Die Rachni, weil sie über die unerwarteten neuen Gegner wohl überrascht waren, die Piraten, weil sie unnötiges Blutvergießen vermeiden wollten.

Benezia rief mit einem Mal ein Wort in einer fremden Sprache. Daraufhin hielten die Rachni überrascht inne und blickten in ihre Richtung. Die Matriarchin rief ihnen noch mehr zu und auch Shepard, die zum Glück schnell schaltete befahl laut: „Hört auf zu kämpfen! Hört auf!“

Die Crew gehorchte und Benezia trat auf die Rachni zu und schließlich traten ihr einige der Krieger, die wohl als Anführer fungierten, entgegen und begannen ein Gespräch.
Shepard trat an Sam und die anderen heran und sagte: „Ihr habt sie gefunden! Gut gemacht! Ich danke euch.“ Plötzlich fiel ihr Blick auf Sams blutige Hüfte. „Sam, du blutest ja! Was ist passiert?“
„Nichts. Es ist nur eine Fleischwunde“, winkte Sam ab.

„Trotzdem, damit ist nicht zu spaßen! Karin soll sich das nachher sofort ansehen!“

Plötzlich deutete Garrus hinter Shepard und als diese sich umdrehte, sah sie, dass eine besonders prächtig gekleidete Rachni-Frau auf sie zutrat, begleitet von Matriarchin Benezia und einer weiteren, eher jüngeren Frau, die zwar auch eine Eingeborene war, aber eindeutig keine Rachni. Eher eine Asari.

Die Rachni sagte etwas in einer seltsamen Sprache, die irgendwie wie ein Singsang klang. Als sie geendet hatte, begann die junge Asari zu sprechen: „Seid gegrüßt, Käpt’n Shepard. Wir haben mit Wohlgefallen gehört, dass du wohl keinen Streit mit unseren Kindern wünschst.“
„Und wer seid Ihr?“, fragte Grace.

Die junge Asari übersetzte das wohl der Rachni, diese sprach wieder etwas und die Asari übersetzte: „Wir sind die letzte Königin der Rachni. Sie hier ist unser Werkzeug, damit unsere Worte deinen Geist erreichen. Was genau suchen du und deine Freunde hier, in der Zuflucht unseres Volkes?“

„Wir suchen keinen Streit mit euch“, antwortete Grace. „Unser Feind heißt Cerberus. Wir wollen wissen, was diese Menschen“, sie deutete nach hinten, zu den Überlebenden Cerberus-Soldaten, „hier machen.“

„Das kann ich euch beantworten“, sagte nun Benezia. „Cerberus wusste von den Rachni. Saren Arterius trat an mich heran, um mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Er sagte, er wolle eine Aussöhnung mit ihnen. Doch in Wirklichkeit wollte er sie zu Sklaven von Cerberus machen und sie in die Armee von Cerberus eingliedern. Und ich habe ihm Anfang auch noch dabei geholfen. Ich war eine solche Närrin!“

„Aber wozu das ganze?“, wollte Grace nun endlich wissen. „Wonach strebt Cerberus?“

Die Antwort der Matriarchin war nicht unerwartet, aber dennoch erschütternd: „Cerberus will ein neues Reich erschaffen. Ein Reich, das alle Völker dieser Inseln umfasst und sie unter das Joch der Herrschaft eines einzelnen zwingt. Sie sprechen von Ordnung und Gleichheit und meinen doch nur Macht und Tyrannei.“

 

Grog Effect Kapitel 31
Eine weitere Station geschafft. :)
Loading...

Die vier Piraten blickten entsetzt und verwundert auf den toten Eingeborenen zu ihren Füßen, bevor sie sich gegenseitig anblickten.

„Was sind das für Krieger?“, fragte Sam ihre Kameraden.

„Keine Ahnung“, sagte Garrus.

„Ich auch nicht“, verneinte Tali.

„Ich weiß es auch nicht“, endete Tali.

Sam war überrascht. Sie war noch nicht lange dabei und kannte daher längst noch nicht alle Völker Westindiens, aber wenn sie jetzt auf ein Volk stießen, das ihre Gefährten auch nicht kannten, dann war das bemerkenswert und vermutlich beunruhigend. „Und jetzt?“, fragte sie.

Statt einer Antwort blickte Garrus nach oben, zu dem Kampf auf der Mauer, den, den Geräuschen und Rufen nach zu urteilen, gerade Cerberus für sich entschied. Man hörte wieder die Stimme des zweiten Mannes: „Gut so, Leute! Treibt das Gesindel zurück in die Berge! Und dann verstärkt die Verteidigung! Die kommen sicher wieder zurück! Sie kommen immer zurück! Das wird eine blutige Nacht! Vor allem jetzt, wo uns auch noch dieses Gesocks vom Tal her belästigt! Und sperrt die Matriarchin wieder ein! Sie ist nutzlos für uns!“

Neben Sam schnappte Liara nach Luft und hatte die Hand am Griff ihres Schwertes. Da flüsterte Garrus plötzlich: „Das müsste genug sein. Wir sollten verschwinden, solange wir es noch können!“

„Bitte was?“, fragte Liara gefährlich laut, worauf sie aber auch sofort ihre Stimme wieder senkte. „Wir lassen sie im Stich?“, fragte sie ungläubig und es war allen klar, dass sie Benezia meinte.

„Wir können ihr im Moment nicht helfen. Was können wir vier schon ausrichten?“

Liara wollte etwas erwidern, doch sie musste wohl einsehen, dass Garrus Recht hatte. Sie schluckte und nickte schließlich,

„Dann los!“, flüsterte der Turianer und die vier schlichen, so schnell es möglich war, wieder in den Lagerraum, in den Geheimgang, schlossen die verborgene Tür wieder hinter sich und begaben sich wieder durch den finsteren Tunnel.

Sam war erleichtert, dass es so erstaunlich gut geklappt hatte. Sie hatten zwar nicht ganz so viel erfahren, wie erhofft, aber doch einiges, das Grace unbedingt erfahren musste. Und so machten sie sich auch sofort auf zu dem Hügel, auf dem die Normandy-Crew hoffentlich immer noch Stellung bezogen hatte.

Liara warf noch einen letzten, fast verzweifelten Blick zu dem Tunneleingang, bevor sie den anderen folgte. Sam und Tali versuchten, ihr Mut zu machen. Tali sagte: „Keine Sorge, Liara! Deiner Mutter geht es offenbar halbwegs gut. Sie ist zwar eingesperrt, aber dadurch auch in Sicherheit.“

Sam fügte hinzu: „Und du hast es doch auch gehört, dass sie am Leben bleiben soll. Also brauchst du nicht um sie zu fürchten. Und du hast auch gehört, dass sie sich Cerberus widersetzt. Sie ist also keine Verräterin. Wir werden sie retten. Grace wird bestimmt etwas einfallen.“

Liara sagte nichts. Aber als Sam ihr einen flüchtigen Blick zuwarf, sah sie, dass der Blick der Asari nicht mehr ganz so gehetzt war. Die junge Schwarzhaarige war beruhigt und eilte weiter. Kurze Zeit später waren sie wieder bei dem bewussten Hügel und da kam ihnen Shepard auch schon entgegen.

„Dem Himmel sei Dank, da seid ihr ja!“, sagte sie und man hörte und spürte die Erleichterung, die ihr Käpt’n über ihre sicherere Rückkehr empfand. Samantha war darüber ihrerseits irgendwie sehr erfreut und auch gerührt. Sie verspürte sogar einen leichten Drang, Grace zu umarmen, riss sich jedoch zusammen.

Der Käpt’n wandte sich an Garrus und fragte: „Was habt ihr herausgefunden?“

„Die Festung ist strategisch klug erbaut und, soweit wir sehen konnten auch durch Innenwälle gesichert. Aber sie ist von mehreren Seiten angreifbar. Das haben wir mit eigenen Augen beobachten können.“
„Was heißt das?“, fragte Grace aufmerksam.

„Das heißt, wir sind nicht die einzigen, die hier mit Cerberus im Zwist liegen“, berichtete der Turianer. „Während wir uns im Innenhof umgesehen haben, wurde Cerberus von den Bergen aus angegriffen.“
„Von wem?“, fragte Grace.

„Das wissen wir nicht so genau. Es waren eingeborene Krieger, aber welchem Volk sie angehören, können wir nicht sagen“, antwortete Garrus.
„Aha“, reagierte Grace überrascht. „Wie sahen diese Krieger denn aus?“
Inzwischen waren Ashley, Kaidan und Wrex zu ihnen gestoßen und lauschten ebenfalls aufmerksam Garrus’ Bericht. „Nun ja, wie Karibische Krieger eben aussehen. Hoch gewachsen, Tiefelle, bunte Federn und Tätowierungen. Wir konnten nur einen gefallenen Krieger genauer betrachten. Er trug eine weiße Tätowierung auf der Stirn, die aussah, wie eine Spinne.“

„Was?“, rief Wrex mit einem Mal zur Überraschung aller. „Die Form einer Spinne sagst du?“

„Ja, wieso?“, bestätigte Garrus.

„Kennst du diese Krieger etwa?“, wollte Shepard wissen.

„Nicht persönlich“, antwortete der Kroganer. „Aber wenn sie die sind, nach denen es klingt, dürfte es sie gar nicht mehr geben. Die Spinne war das heiligste Tier der alten Erzfeinde meines Volkes: Den Rachni.“
Garrus und Liara wirkten geschockt, Tali blickte eher verwundert und Sam fragte: „Wer?“

„Die Rachni sind ein Volksstamm, der längst untergegangen ist“, erklärte Grace. „Sie beherrschten einst einen großen Teil der Westindischen Inseln. Die so genannten Rachni-Kriege sind ein wichtiges historisches Kapitel. In ihrer Expansionslust haben die Rachni vielen Völkern Tod und Zerstörung gebracht und wurden erst durch die Kroganer aufgehalten. Unterstützt von den Völkern des Rates haben Wrex’ Vorfahren sie schließlich immer weiter zurückgedrängt und ihr Reich und ihr Volk zerschmettert“, erzählte sie.

„Und was war der Dank des Rates?“, brummte Wrex. „Kaum waren die Rachni besiegt, sind uns unsere angeblichen Verbündeten auch schon in den Rücken gefallen.“

„Weil ihr friedliche Siedlungen überfallen habt!“, entgegnete Garrus.

„Wir haben nur beansprucht, was man uns versprochen hat!“, hielt Wrex dagegen.

„Das reicht!“, intervenierte Grace. „Das ist jetzt nicht der Moment über Vergangenes zu diskutieren! Wir haben ein ganz anderes Problem zu lösen! Könnten das wirklich Rachni sein? Wo sollten die so plötzlich herkommen?“

„Ich weiß nicht“, sagte Garrus. „Aber wir haben noch etwas interessantes beobachtet.“
„Und das wäre?“

„Offenbar ist Matriarchin Benezia, zumindest im Moment eine Gefangene von Cerberus. Wir haben mitbekommen, wie ein Soldat sie unter Todesdrohungen dazu bringen wollte, die Angreifer zu beruhigen, wie auch immer das gehen sollte. Sie hat sich jedoch geweigert und nach der Schlacht wurde der Befehl erteilt, sie wieder einzusperren.“
„Wieder?“, hakte Grace nach.

„Ja, wieder“, bestätigte der ehemalige Citadel-Wächter.

„Sie war also offenbar schon vorher eine Gefangene. Interessant“, dachte Shepard laut nach. „Für mich sieht das so aus, als hätte Saren Benezia reingelegt und sie zur Zusammenarbeit mit Cerberus gebracht. Als sie jedoch gemerkt hat, was Cerberus wirklich vorhat, da hat sie sich geweigert, Saren weiter zu helfen.

„Verzeihung“, unterbrach Kaidan Shepards Gedankengänge. „Aber was genau soll das sein, was Cerberus plant. Wir wissen doch immer noch nichts Genaues.“

„Stimmt“, sagte Sam. „Wir wissen, dass sie Kolonien überfallen und alles dafür spricht, dass sie eine Armee aufstellen. Aber wir wissen immer noch nicht, wozu das Ganze.“

„Stimmt“, antwortete Grace. „Das wissen wir immer noch nicht. Aber Benezia könnte es wissen. Sie scheint eine wichtige Rolle bei dieser Sache zu spielen. Aber wie passen die Rachni ins Bild?“

„Wenn wir das herausfinden wollen, sehe ich nur eine Möglichkeit“, meldete sich nun Liara zu Wort. „Wir müssen Benezia befreien!“
Grace bedachte die Asari mit einem mitfühlenden Blick. „Wir wissen beide, dass es noch andere Gründe gibt, warum du das so siehst. Aber sei beruhigt, denn ich stimme dir zu. Wenn uns jemand sagen kann, was hier gespielt wird, dann Benezia. Darüber hinaus möchte auch ich Benezia retten, wenn es möglich ist.“
Liaras Blick hellte sich auf. „Danke Käpt’n“, sagte sie mit deutlich hörbarer Erleichterung in der Stimme.
„Bedank dich nicht zu früh“, mahnte Grace. „Erst müssen war das mal schaffen. Irgendeine Idee?“

Sam hob die Hand.

„Ja bitte?“, ermunterte sie der Käpt’n.

„Nach allem was wir gehört haben, greifen diese Rachni, oder was auch immer das für Krieger sind, die Festung regelmäßig an und die Offiziere der Festung rechnen wohl damit, heute Nacht wieder angegriffen zu werden. Das können wir nutzen. Ein paar von uns sollten sich wieder einschleichen, und wenn die Festung wieder angegriffen wird, öffnen diese die vorderen Tore, geben ein Signal und die Crew stürmt. So können wir die Festung nehmen und den Kampf sozusagen als lachende Dritte gewinnen.“
„Ganz schön hinterlistig“, antwortete Shepard auf ihre Ausführungen und die junge Matrosin war schon kurz davor, beschämt zu Boden zu blicken, als ihr auffiel, dass Grace lächelte. „Aber auch schlau und logisch. Du solltest dein Glück in der Politik versuchen:“

Sam wusste nicht, ob sie daraufhin geschmeichelt oder beleidigt sein sollte. Die Entscheidung wurde ihr jedoch abgenommen, als Shepards Lächeln einen entschuldigenden Ausdruck annahm und sie sagte: „Nur ein Scherz. Die Idee ist nicht schlecht. Das einzige Problem, das ich sehe, ist dass wir so gut wie nichts über diese Rachni-Krieger wissen und es daher sein kann, dass wir auch gegen sie kämpfen müssen.“
„Daran habe ich nicht gedacht“, gab Sam zerknirscht zu. Wie hatte sie das nur übersehen können

„Aber das Risiko werden wir eingehen müssen“, fuhr der Käpt’n fort. „Wir warten also, bis die Sonne untergeht. Dann schleicht ihr vier euch wieder hinein und versucht, uns das Tor zu öffnen. Anschließend gebt ihr uns ein Leuchtsignal und wir greifen an. Mit etwas Glück können wir beide Fraktionen überraschen. Ist jemand dagegen oder hat jemand noch etwas hinzuzufügen?“

 Wieder einmal wer einmütiges Schweigen die Antwort und so vertrieb sich die ganze Crew der Normandy die Zeit bis zum Sonnenuntergang damit, die Festung aus der Ferne zu beobachten, sich zu unterhalten und zu trainieren. Für Sam verging die Zeit quälend langsam und ihren Freunden ging es auch nicht besser. Vor allem Liara lief die ganze Zeit unruhig auf und ab. Sam mochte sich gar nicht näher vorstellen, wie es im Inneren der jungen Asari aussah. Auch der Käpt’n wirkte unruhig und nervös. Ständig blickte sie, von der Spitze des Hügels zur feindlichen Festung hinüber und war in Grübeleien versunken. Sam fragte sich, was genau wohl in ihrem Käpt’n vorging, kam nach einer Weile aber zu dem Schluss, dass es wohl besser war, wenn sie das nicht so genau wusste. Und so hing jeder von ihnen seinen eigenen Gedanken nach und hoffte, dass die Zeit rasch verging.


Endlich war es soweit. Der Himmel verfärbte sich rötlich und die Schatten wurden länger. Die Sonne schien, in Erwartung des kommenden, hinter den Bergen Zuflucht zu suchen.

Sam, Liara, Tali und Garrus machten sich bereit. Shepard wandte sich mit sorgenvollem Antlitz an die vier Spezialkämpfer: „Also meine Freunde! Ihr wisst ja, was ihr zu tun habt. Eure Mission ist von äußerster Wichtigkeit! Deshalb muss ich euch dringend ermahnen, kein unnötiges Risiko einzugehen! Das Leben der gesamten Crew liegt in euren Händen! Das muss ich immer bewusst sein! Habt ihr das verstanden?“

Sam schluckte. Shepards Worte hatten ihr noch einmal so richtig bewusst gemacht, was hier alles auf dem Spiel stand. Und so nickte sie ergriffen. Die anderen taten es ihr gleich.

„Gut“, sagte Grace. „Dann geht und tut, was getan werden muss! Ich vertraue euch vieren.“
Damit wandte sich der Käpt’n wieder der Mannschaft zu, um letzte Vorbereitungen zu treffen und der kleine Trupp macht sich wieder auf den Weg.

Sie fanden recht schnell wieder den Eingang zu dem langen Stollen, der sie ein weiteres Mal mitten unter ihre Feinde führen würde. Garrus entzündete eine Fackel und sie wagten sich wieder in die nie endende Finsternis.

Nach einer Weile erreichten sie wieder die Geheimtür in den Lagerraum und öffneten sie vorsichtig. Sie huschten schnell nacheinander hinter Kisten und Fässer in Deckung und lauschten. War irgendwo ein Geräusch zu hören? Waren irgendwo Wachen, die sie entdecken könnten? Zu sehen und hören war nichts dergleichen. So gesehen ein ideales Versteck. Allerdings war ihnen bewusst, dass sie nun eine Weile so würden ausharren müssen. Sam betete still, dass es nicht zu lange dauern würde, und dass sie einen eventuellen Angriff der Rachni auch mitbekommen würden.

Die Zeit verging quälend langsam. Zumindest erschien es Sam so. Dazu kam, dass ihr Rücken und einige andere Glieder ihres Körpers, gegen die unbequeme Haltung hinter einer Kiste zu protestieren begannen. Sie beherrschte sich jedoch und bewegte sich nur minimal. Auch das angespannte Schweigen war erdrückend und zehrte an ihren Nerven.

Doch mit einem Mal brach die Hölle los. Der Donner einer Kanone ertönte und lies alle vier Piraten erschrocken zusammenfahren. Getrampel und Geschrei waren zu hören und allen war klar: Es war soweit.

Sie blieben noch eine Weile in ihren Verstecken, bis sie keine Geräusche aus der Nähe mehr hören konnten, sondern nur noch den entfernten Kampflärm wahrnahmen. Garrus erhob sich schließlich als erster und die Frauen sprangen daraufhin ebenfalls sofort auf. Keine gute Idee, wie Sam sofort feststellte. Denn ihre Knochen waren nach dem langen Hocken etwas beleidigt und so mussten sie erst einmal ihre Gliedmaßen strecken, bevor sie schließlich, schnell und möglichst leise das Lagerhaus verließen.

Sie blickten sich im Innenhof um und sahen, dass auf dem Wall wieder heftig gekämpft wurde, ziemlich nah an der Stelle, von vorhin. Hinter den Piraten war ein Treppenaufgang auf den Wall, den sie sofort hinauf eilten.

Sie standen nun im Rücken der Cerberus-Verteidiger und als sie in die andere Richtung blickten, sahen sie ein Tal. Doch rechts von ihnen waren der äußere Hof und das Haupttor. Es war aus massiven Holzplanken gefertigt und mit einem schweren Baken blockiert.

Garrus flüsterte seinen Begleiterinnen zu: „Das ist es! Wir haben nur eine Chance. Wir laufen schnell zum Tor, erledigen die Wachen und machen auf. Dann müssen wir kämpfen, um es offen zu halten. Klar?“
Die drei Frauen nickten knapp und schon rannten sie los. Im laufen zogen sie ihre Waffen und hatten das Tor fest im Blick. Über dem Tor standen nur zwei Wachposten. Alle anderen waren mit der Schlacht beschäftigt.

Als diese die Eindringlinge bemerkten, fuhren sie herum und richteten ihre Bajonette auf sie. Das nützte ihnen jedoch wenig und nach wenigen Sekunden, lagen sie beide erschlagen am Boden. Doch da ertönte ein lauter Ruf und die vier Piraten sahen sich mit einer ganzen Truppe von Cerberus-Kämpfern konfrontiert, die auf sie zustürmte.

„So viel zum Plan“, dachte Sam und überlegte fieberhaft. Was nun? Schließlich hatte sie einen Blitzgedanken und sie sagte: „Garrus, du bist der stärkste! Du läufst runter, öffnest das Tor und gibst das Signal! Wir kümmern uns um die hier!“

Garrus wollte etwas erwidern, doch Sam lies ihn nicht zu Wort kommen: „Nicht lange reden! Mach’s einfach! Los!“

Der Turianer fügte sich und lief. Die drei Frauen nickten einander grimmig zu und traten den Angreifern entgegen.

Tali erledigte einen mit ihrer Pistole, Sam und Liara ließen ihre Schwerter sprechen. Sam stieß einem Feind die Klinge in den Bauch, wich dann zurück, stieß einen anderen Gegner beiseite, zog das Schwert wieder heraus und gab dem nächsten den Rest. Die drei Piratinnen ließen ihre Waffen in großem Bogen schwingen um die Feinde auf Distanz zu halten. Das klappte auch ganz gut. Wenn einer vorstieß, dann war es sein Ende. Gerade versuchte es der zweite und wurde von Liara gefällt, als es plötzlich hinter ihnen knallte und hell aufblitzte.

Sam wandte sich um. Der Feuerwerkskörper, den Garrus dabei gehabt hatte, war gezündet und buntes Licht erhellte den Nachthimmel. Das Tor war offen und das Signal gesetzt. Sie hatten es geschafft! 

Grog Effect Kapitel 30
Festungen einnehmen für Anfänger: Lektion eins :D
Loading...

Der Tag kam rasch und die Mannschaft der Normandy hatte sich in aller frühe an Deck versammelt, voll bewaffnet und kampfbereit. Alle wussten, was heute auf sie zukam: riskante Angriffe und Ablenkungsmanöver. Dementsprechend war die Stimmung an Bord an diesem Morgen etwas gedrückt.

Dem Himmel schien es ähnlich zu gehen, denn er war wolkenverhangen. Regen stand zwar zu befürchten, aber dennoch, das Licht der Sonne war getrübt. Das trug nicht unbedingt dazu bei, die Moral der Männer zu heben und auch nicht Sams Moral.

Die junge Mestize ging zwischen Tali und Liara hinter Shepard her, die mit der Karte vorneweg marschierte und den anderen den Weg zeigte. Dieser führte durch die kleine Siedlung, wo die große Menschenmenge, die sich hier in Bewegung gesetzt hatte, einiges an Aufmerksamkeit erregt hatte, über die Straße durch den Urwald und hinauf in höhere Gefilde.

Die Bäume wurden weniger und die Straße wurde schmaler. Als sie weiter kamen, bemerkten sie auch, dass der Weg auch ungepflegter und unwegsamer wurde. Der Fußmarsch trieb den meisten der Piraten bereits den Schweiß auf die Stirn.

Etwa zwei Stunden, nachdem aufgebrochen waren, marschierten sie einen besonders steilen Hügel hinauf und alle, die oben auf der Kuppe ankamen blieben dort wie angewurzelt stehen. Der Grund dafür war klar: Hatte man den Hügel bezwungen, war in der Ferne die viel zitierte Festung zu erkennen. Sam blickte, schwer atmend auf die Befestigungsanlage, die sich über einem Berghang erhob. Soweit sie erkennen konnte, waren es keine europäischen Befestigungen, sondern ältere von einer alten mesoamerikanischen Hochkultur. Wie so oft waren die Errungenschaften alter Zivilisationen in Vergessenheit geraten und erst später von den Fremden wieder entdeckt und genutzt. Auf die Entfernung sah die Festung leer und verlassen aus, doch Sam wusste es ja besser. Sie überlegte, was genau Cerberus da drinnen wohl machte. Nun, sie würden es wohl bald erfahren. Und sie selbst noch früher, da sie ja zum Spähtrupp gehörte.

Käpt’n Shepard befahl der Mannschaft, anzuhalten und sich zu sammeln. Der Hügel war immerhin geradezu perfekt als Sammelpunkt für einen Angriff. Nachdem alle angekommen waren, übergab Grace das Kommando einstweilen an Kaidan und Ashley und befahl dann Garrus, Liara, Tali und Sam, ihr zu folgen. Die vier folgten ihrem Käpt’n, die sie mithilfe ihrer Karte zu einer Felswand lotste, und von dort zu einem bestimmten Punkt. Es dauerte ein paar Minuten, dich schließlich sagte Grace: „Ah da ist er!“ Sie rief ihre Begleiter zu sich und Sam erblickte eine Öffnung im Fels, der in eine Art Stollen zu führen schien. Sie fühlte sich unwillkürlich an Feros erinnert. Ihren Kameraden schien es ähnlich zu gehen.

Shepard sah sie alle nacheinander an und sagte dann: „So, das muss es sein. Wenn unsere Informationen stimmen, führt dieser Gang direkt ins innere dieser Festung, da oben. Ihr wisst ja, was ihr zu tun habt. Ihr geht durch diesen Gang und versucht, euch in die Festung zu schleichen und möglichst viel herauszufinden. Aber passt auf! Noch weiß Cerberus nicht, dass wir hier sind und das soll auch so bleiben, wenn möglich! Geht also möglichst wenige Risiken ein und haltet euch bedeckt! Und sobald ihr etwas herausfindet, das uns weiter helfen könnte, kommt sofort zu uns anderen zurück! Keine unnötigen Heldentaten!“

Sam fiel auf, dass Grace bei dieser letzten Ermahnung vor allem sie und Liara eindringlich ansah.

„Noch irgendwelche Fragen?“ fragte der Käpt’n.

Niemand antwortete. Es war alles gesagt.

„Gut“, sagte Grace „Dann muss ich jetzt zurück zu den anderen. Sobald ich wieder bei ihnen bin, werden wir auch sofort den ersten Angriff versuchen. Ihr solltet also keine Zeit verlieren! Viel Glück und passt auf euch auf!“

Sie blickte allen vieren noch einmal fest in die Augen und Sam konnte darin ernsthafte Sorge sehen. Das rührte sie sehr, zumal auch sie sich um ihren Käpt’n und die restliche Crew ebensogroße Sorgen machte. Und so erwiderte sie den Blick, so fest sie konnte. Schließlich setzte Shepard sich in Bewegung und entfernte sich langsam. Samanthas Herz schien in ihrem Inneren irgendwie zu sinken, bis Garrus sagte: „Also los! Beeilen wir uns!“

Da er vollkommen Recht hatte, setzten die vier Piraten sich in Bewegung und betraten den Stollen. Das erste, was Sam auffiel, war dass es eng war. Enger als die Minen von Feros. Aber gut, ein Geheimgang war kein Bergbaustollen sondern ein Schleichweg, der möglichst schwer zu finden sein sollte. Dementsprechend lag es in seiner Natur, dass er eher eng war. Zum Glück machten enge Räume Sam nichts aus. Sie wusste, dass es Leute gab, die in engen Räumen die schrecklichsten Angstzustände bekamen. Aber glücklicherweise gehörte niemand von ihrer Gruppe dazu. Nein, was Sam eher Sorgen bereitet, war die Dunkelheit.

Sie wussten nicht, wie lang der Gang nun tatsächlich war und daher war es gut möglich, dass sie eine ganze Weile lang buchstäblich im Dunkeln tappen würden. Keine besonders angenehme Aussicht und Sam schalt sich im Stillen selbst eine Idiotin, dass sie nicht daran gedacht hatte, Fackeln mitzunehmen. Doch gerade als sie das dachte, wurde es hinter ihr plötzlich hell und als sie sich umblickte, sah sie, dass Garrus hinter ihr stand - mit einer Fackel in der Hand.

„Gut“, sagte Sam und erschrak kurz, als ihre Stimme von den Wänden widerhallte. Sie wechselte, peinlich berührt in den Flüsterton: „Ich habe mich gerade darüber geärgert, dass wir keine Fackeln dabei haben. Gut, dass du daran gedacht hast.“
„Tali hat mich gestern noch darauf gebracht, dass wir Fackeln brauchen könnten. Bedank dich also bei ihr“, antwortete Garrus leise.
„Danke Tali, dass du mitgedacht hast“; flüsterte Sam ihr zu.

„Gern geschehen“, antwortete dieses verlegen. So marschierten sie eine Weile, Garrus mit der Fackel vorneweg durch die immerwährende Finsternis. Es war schwer zu sagen, wie lange sie schon unterwegs waren, da die meisten Menschen unter Tage das Zeitgefühl verloren. Sam hoffte, dass es nicht allzu lange war, da sie an Grace und die anderen dachte, die sich für den Erfolg ihrer Mission regelmäßig in Gefahr begaben. Dementsprechend wuchs ihre Unruhe mit jedem Augenblick.

Umso aufgeregter wurde sie, als es plötzlich bergauf ging und nach einer kurzen Wegstrecke schien es auch tatsächlich ein bisschen heller zu werden. Und tatsächlich sahen sie, mit einem Mal ein Licht am Ende des Tunnels und Sam atmete erleichtert auf. Die anderen taten es ihr gleich und schließlich flüsterte Liara: „Garrus! Fackel aus!“

Dieser gehorchte, ungeachtet der Tatsache, dass er eigentlich der Anführer war, und trat die Fackel mit seinem Stiefel aus.

Anschließend ging er in die Hocke und die drei Frauen taten es ihm gleich. Langsam und bedächtig schlichen sie voran. Schließlich fanden sie sich in einem kleinen Raum wieder, der durch ein Fenster, zu ihrer Linken mit Licht erfüllt wurde. Vor ihnen sahen sie eine schmucklose steinerne Wand, die jedoch von einem, ebenfalls aus Stein gefertigten, kunstvoll geformten Griffring geziert wurde. Das musste der Griff zum öffnen einer Geheimtür sein. Sam hoffte inständig, dass Cerberus nichts von dieser Geheimtür wusste, doch da ihnen auf dem langen Weg hierher, keine Wache begegnet war und auch sonst nichts dafür sprach, dass jemand in letzter Zeit diesen Tunnel benutzt hatte, standen dafür vermutlich recht gut. Sicherheitshalber schlich Garrus aber ganz dicht an die Mauer heran und hielt sein Ohr an den kalten Stein.

Er verharrte einige Sekunden so und die Augen waren gespannt auf ihm, bis ihnen mit einem Kopfschütteln signalisierte, dass er nichts hören konnte. Das konnte sowohl gut, als auch schlecht sein. Letztlich hatten sie keine andere Möglichkeit, als es darauf ankommen zu lassen. Tali, Sam und Liara zogen ihre Waffen und Garrus ergriff den Ring und zog daran, so fest er konnte. Es knirschte laut und unangenehm, doch Stück für Stück bewegte sich ein Teil der Wand in Garrus’ Richtung. Ganz langsam, Zoll für Zoll ging eine Tür auf und gab der kleinen Gruppe den Blick auf einen Stapel Kisten frei. Ganz offenbar lag der Zugang zu dem Geheimgang in einem Lagerraum, oder zumindest wurde der Raum von Cerberus als solcher genutzt.

Kaum hatten die Piraten die ersten Schritte in den Raum gemacht, da hörten sie plötzlich laute und schnelle Schritte. Sie suchten blitzschnell hinter den Kisten und Fässern Deckung. Offenbar mit Erfolg.

Die Cerberus-Leute, es waren zwei Männer hasteten, ohne sich umzusehen durch den Lagerraum und unterhielten sich in hastigem Ton. Leider verstand Sam nichts, da sie wieder Spanisch sprachen, aber ihre Gefährten hörten aufmerksam zu und Sam hoffte, dass sie zumindest ein bisschen etwas verstanden.

So schnell die beiden Männer gekommen waren, so schnell waren sie auch wieder weg, nachdem sie sich irgendetwas aus einer der Kisten genommen hatten. Nachdem sie weg waren und ein paar atemlose Momente später, fragte Sam: „Habt ihr verstanden, was sie gesagt haben?“

„Nur teilweise“; antwortete Garrus. „Irgendwas von einem Angriff.“

„Schon wieder ein Angriff, glaube ich“, ergänzte Tali.

“Schon wieder“? Auch wenn das Zeitgefühl unter mangelndem Sonnenlicht litt, so lange konnten sie doch gar nicht in dem Gang gewesen sein. Mehr als einen Angriff konnten Grace und die anderen wohl kaum versucht haben. Hatte Cerberus noch andere Feinde auf dieser Insel? Und wenn ja, welche? Und warum?
„Außerdem war da noch was von einer Matriarchin“, sprach Tali weiter.

Da wurde nun Liara hellhörig. „Ja?“, fragte sie angespannt. „Konntest du etwas Genaueres verstehen?“

„Leider nicht“, antwortete die Quarianerin zerknirscht.

„Aber ich“, warf Garrus nun ein. „Er sagte in etwa: „Und die Matriarchin, ist auch nutzlos. Saren hätte sie gleich töten sollen!““

„Ah!“, machte Tali. „Das erklärt, warum der andere dann sagte: „Werden wir noch. Nachher.““

Liara erbleichte und auch Sam wurde schwindelig, als ihr klar wurde, was das bedeutete: Benezia war offenbar am Leben, schwebte aber in höchster Gefahr. Aus irgendeinem Grund,  hatte sie wohl für Cerberus ihren Nutzen verloren. Aber warum? Was ging hier vor sich? Sams Herz schlug bis zum Hals und sie flüsterte energisch: „Los, weiter!“

„Langsam!“, bremste sie Garrus. „Wir müssen einen klaren Kopf bewahre! Tali, schau mal raus und sag uns, was du sehen kannst!“

„Alles klar“, flüsterte diese und schlich langsam nach vorne, in Richtung einer Tür. Dort angekommen blieb sie versteckt in dem steinernen Türrahmen stehen und lugte vorsichtig nach draußen. Die anderen schlichen in der Zwischenzeit ebenfalls näher heran um auch in Flüsterweite zu bleiben.

„Und? Was siehst du?“, fragte Liara schließlich drängend.

„Einen Innenhof“; flüsterte Tali zurück. „Aber er ist Menschenleer. Weit und breit niemand zu sehen. Aber ich höre Geräusche. Irgendetwas geht weiter in dieser Richtung“, sie zeigte nach rechts, „vor sich.“

„Dann weiter!“, sagte Garrus. „Aber schön vorsichtig! Wir wollen ja nicht entdeckt werden!“

Also schlichen die vier Piraten sich in den Hof und blickten sich argwöhnisch um. Doch in der Tat war nirgendwo eine Menschenseele zu sehen.

Dafür war umso mehr zu hören. Hier im Hof waren deutlich, aus der von Tali angedeuteten Richtung, Geräusche zu hören. Und sie schienen lauter zu werden und näher zu kommen. Vereinzelt hörten sie auch Rufe und Schreie und mit einem Mal wurde ihnen allen vier klar, was sie da hörten: Kampfeslärm!

Vor ihnen stand ein Wall, der wohl zwei Höfe voneinander trennte. Entweder in dem Hof selbst, oder auf den Wällen, die ihn umgaben, wurde heftig gekämpft.

 Schnell wurde klar, dass zweiteres der Fall war und offenbar jemand versuchte, die Festungsmauern zu stürmen. Die vier Piraten konnten nämlich einige Gestalten ausmachen, die oben auf dem Wall miteinander kämpften. Allerdings hieß das, dass die kämpfenden auch sie ausmachen konnten, falls einer von ihnen einen Moment lang von der Mauer, in ihre Richtung blickte.

Schnell und doch möglichst leise, liefen sie also zu der Mauer hin und stellten sich dicht daran, um nicht entdeckt zu werden. So standen sie da und versuchten, aus dem Kampfeslärm irgendwie heraus zu hören, wer da eigentlich die Festung angriff. Shepard und die Crew konnte es ja kaum sein, schließlich sah der Plan nur Scheinangriffe vor.

Plötzlich hörten sie eine Stimme schreien: „Beruhig diese Wilden, Weib, oder es ist aus mit dir!“

Ob die eine angesprochene eine Antwort gab, konnten sie wegen des Schlachtlärms nicht hören, aber offensichtlich ja, denn die Stimme des Mannes wurde lauter und geradezu schrill: „Was heißt hier, nein? Du machst, was ich dir sage, oder ich schlitze dich auf!“
Da ertönte noch eine andere Stimme: „Lass das, du Idiot! Das Weibstück ist stur! Und du kennst die Befehle: Die Matriarchin gehört Saren! Also lass sie los und hilf lieber im Kampf mit!“

Die vier Eindringlinge an der Mauer blickten einander aufgeregt an. „Das ist Benezia!“, sprach Tali aus, was sie alle dachten.

„Sie scheint sich zu weigern, Cerberus zu helfen“, ergänzte Sam.

„Aber wobei? Wer greift hier an?“, fragte Garrus.

Niemand antwortete. Doch plötzlich ertönte der mehrstimmige Donner einer Musketensalve, gefolgt von mehreren entsetzten Schreien. Ein Schrei erklang ganz nahe bei den Gefährten und da fiel mit einem Mal etwas Schweres herab und kam vor ihnen zu liegen.

Es war ein Mensch. Beziehungsweise der tote Körper eines Menschen. Er hatte bronzefarbene Haut und trug spärliche, mit Federn geschmückte Kleidung aus Tierfellen. Ein Ureinwohner. Ganz offensichtlich einer der Krieger, die die Festung attackierten.

Die Piraten traten näher um den auf dem Rücken liegenden Leichnam genauer zu betrachten. In seiner Brust klaffte ein Einschussloch. Och was ihnen vor allem auffiel, war die weiße Tätowierung, die er auf der Stirn trug. Sie hatte die Form einer Spinne.

 

Grog Effect Kapitel 29
Jetzt wird es langsam ernst.
Loading...
Hey, guys!

At first a question: Do you know :iconservala:?

If yes, I have to tell you something very sad:
She has died from cancer in the night from 04. 26. 2015 to 04. 27. 2015

She has had a hard time in the last two years. She lost her father and got cancer. She fought very brave against her sickness and she loved her live. Now she has lost the fight and went her way on.
She leaves a wife, she had married just a few months ago. My thoughts and my condoloce are with her.

Romy, I have never met you in real life, but regardless, I can say, you were a friend to me. You welcomed me here on DeviantArt and on Fanfiction de. We both loved Mass Effect and Asari, and I was impressed and touched by your pictures and stories. I was always happy like a child, whenever I saw, that you had uploaded something. I really forgot the world and time, when I read your stories. I told you, what I liked about your stories and pcitures. Shortly, i was a fan of your art, and I know, I was not the only one. Your work inspired us and made us happy. For that, I thank you very much. You also were one of them who inspired me, to try writing stories and making Pictures myself. I am long not as good as you, but I will try to improve my skills. Your work was a source of inspiration, emotion and happiness to me. You may have left us, but it is a great comfort to me, that your work is still here. I will always cherish it. I may not be able to see it without sadness now, but when the pain is over, I will enjoy it again, and again and again and think of you my friend.

But you were not only a great artist, but also a wonderfull person. As I said, you loved your live. You wanted to defeat your cancer. I'm very sorry, you could'nt. You have been a humorous person, someone nice with an open heart. I see it as a privilege, that I was allowed to know you.    

It is sad, that I won't see you anymore in this world, but I know, you are not gone. I feel, you are still here. Free of pain and suffering. I know, you are still in the heart of your wife and your family. And I know you are also in our hearts, who enjoyed your works and remember you. I can feel you right here, in a little corner of my own heart.

I hope and I believe, you are at a better place now, watching about those, who mourn you, and had lost an important part of their lifes.

Rest in peace and farewell, my friend! You will be missed, but not forgotten! I will always love your works, especially your stories of Jane Shepard and Liara and the colony. I will strive to become a reasonable writer, painter and/or digital artist, and continue your awesome work. You made so many people happy with your art, and that is what I want too. For myself, and in remembrance
of you. Whenever someone likes my work, it will always be a partial success of you, because you are my paragon and inspiration.

Find peace in the embrace of the goddess! Untill we finally meet in the next world!

And now, dear reader, I have another question to you:
What experiences did you hace with Romy/Servala? What do you know about her? What did/do you like about her?
I would be happy about any answer, here in the comments, or as a personal message. And if you share this Journal Entry, so all her friends can see it. Let us rember her together. Let's life our lifes, with her in our mind and heart. And let us continue her merits: to conjure a smile on peoples faces by doing art. 

And here a Musical link for those of you who understand german, or want to learn it. A song, that makes it easier to say goodbye: www.youtube.com/watch?v=QR7kBB…
  • Listening to: Schandmaul "Euch zum Geleit"

deviantID

Drachenritter93's Profile Picture
Drachenritter93
Joachim
Austria
I'm a nerd boy. I love games, storys, romances and dragons.
Yeah, that's it.
Interests

AdCast - Ads from the Community

×

Comments


Add a Comment:
 
:iconfishbone76:
fishbone76 Featured By Owner Aug 16, 2016
Yo Achim ;)
happy Birthday :cake: :party: :hug:
:ashamed: ich wollte dir ein grog effect bild machen aber momentan läufts mit den bilder machen nich so doll und dann hab ichs auch wieder vergessen. Aber irgendwann stecke ich Sam und Shep wieder in piratenköstüme für dich :D
Reply
:iconfishbone76:
fishbone76 Featured By Owner Oct 4, 2015
Lade mir grade Assasins Creed Black Flag runter weil ich lust auf piratenspiel hab :D alles deine schuld ;P
Reply
:icondrachenritter93:
Drachenritter93 Featured By Owner Oct 4, 2015
Um einen anderen Assassinen zu zitieren: Ich würde gerne sagen, dass es mir leid tut. Aber das wäre gelogen. ;P
Na dann viel Spaß! Ich liebe diesen Teil.
Reply
:iconfishbone76:
fishbone76 Featured By Owner Oct 6, 2015
:P
Ich bin noch nicht weit, grad von der ersten Insel runter. Aber morgen hab ich frei und hoffentlich regnets den ganzen tag damit ich zocken kann :dummy:
Hast du dich von dem Spiel auch für die story inspirieren lassen?
Reply
:icondrachenritter93:
Drachenritter93 Featured By Owner Oct 6, 2015
Oh ja. Natürlich nicht nur, aber doch auch stark. Wenn du ein Stückchen weiterspielst, wirst du recht bald erfahren wie du dir die Piraten-Normandy vorzustellen hast.
Reply
(1 Reply)
:iconmikesw1234:
Mikesw1234 Featured By Owner Aug 16, 2015
Happy B-Day!
Reply
:icondrachenritter93:
Drachenritter93 Featured By Owner Aug 17, 2015
Thank you very much!
Reply
:iconfishbone76:
fishbone76 Featured By Owner Aug 16, 2015
Happy Birthday :party: :cake:
Reply
:icondrachenritter93:
Drachenritter93 Featured By Owner Aug 16, 2015
Danke schön, meine liebe! :hug:  Ich hoffe auch du hast einen schönen tag. :wave:
Reply
:iconfishbone76:
fishbone76 Featured By Owner Aug 17, 2015
Den hatte ich in der tat :hug: Was macht der Kater? ;)
Reply
Add a Comment: